Netzentgelte als Standortfaktor: Bundestagsabgeordneter Philip Hoffmann (CDU) lässt Wettbewerbsfähigkeit des Saarlandes untersuchen
Studie der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages bestätigt: Das Saarland liegt bei Strom- und Gasnetzentgelten über dem Bundesdurchschnitt – bei Gas teilweise deutlich
Berlin/Saarbrücken, 13.07.2026
Das Saarland muss wettbewerbsfähiger werden – im Wettbewerb um Unternehmen, Arbeitsplätze und den Zuzug neuer Bürgerinnen und Bürger aus anderen Bundesländern. Dabei spielen auch die Netzentgelte eine wichtige Rolle. Um die Wettbewerbsfähigkeit des Saarlandes bei diesem Standortfaktor zu untersuchen, hat der saarländische Bundestagsabgeordnete Philip Hoffmann (CDU) eine Studie der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages in Auftrag gegeben. Die nun vorliegende Ausarbeitung bestätigt: Das Saarland liegt bei den Strom- und Gasnetzentgelten über dem Bundesdurchschnitt – bei Gas teilweise deutlich.
„Netzentgelte sind ein wichtiger Standortfaktor – für Gewerbe und Industrie, aber ebenso für Familien“, so Philip Hoffmann.
„Die Tatsache, dass wir beim Zuzug aus anderen Bundesländern auf dem vorletzten Platz – Rang 15 von 16 – stehen, zeigt, dass wir wettbewerbsfähiger werden müssen: im Wettbewerb um Menschen, aber auch wenn wir von Ansiedlungen sprechen. Die Netzentgelte sind auch ein wichtiger Standortfaktor für Gewerbe und Industrie. Unser Ziel muss sein, dass wir die Besten sind“, betont der CDU-Bundestagsabgeordnete.
Auf Bundesebene ist bereits einiges passiert, um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu verbessern. Mit einem Bundeszuschuss von 6,5 Milliarden Euro sinken die Strom-Netzentgelte 2026 für alle Verbraucherinnen und Verbraucher. Für 600.000 produzierende Unternehmen und Landwirte bleibt die Stromsteuer ab 2026 dauerhaft niedrig.
Die Studie stellt heraus, dass das Saarland bei den Netzentgelten über dem Bundesdurchschnitt liegt – teilweise deutlich, etwa bei Gas. Bundesweit ist das Saarland beim Wirtschaftswachstum laut ifo-Institut Schlusslicht. Strompreise und Netzentgelte spielen für Unternehmen eine sehr große Rolle – dies betrifft laut Hoffmann nicht ausschließlich die vorhandene Wirtschaft. Insbesondere bei Zukunftstechnologien wie Künstlicher Intelligenz können der Strompreis und damit auch die Netzentgelte eine entscheidende Rolle spielen.
„Die Gründe für die höheren Netzentgelte sind vielfältig. Nichtsdestotrotz sollten wir uns zum Ziel setzen, dort die Besten zu werden – und damit mit einem harten Standortfaktor für Zukunftstechnologien zu werben, aber ebenso für Gewerbe, Industrie und den Zuzug von Bürgerinnen und Bürgern attraktiv zu sein“, resümierte Philip Hoffmann.
Die Zahlen im Detail
Im Stromverteilnetzbereich liegen die saarländischen Netzentgelte je nach Kundengruppe zwischen 2,1 und 5,8 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Bei Haushaltskunden beträgt das Entgelt 11,21 ct/kWh (Bundesdurchschnitt: 10,56 ct/kWh), bei Gewerbekunden 8,75 ct/kWh (Durchschnitt: 8,56 ct/kWh) und bei Industriekunden 4,24 ct/kWh (Durchschnitt: 4,03 ct/kWh). Im Gasverteilnetzbereich fällt der Abstand deutlich größer aus: Hier liegt das Saarland je nach Kundengruppe zwischen 9,2 und 18,5 Prozent über dem Durchschnitt – bei Haushalten mit 2,38 ct/kWh (Durchschnitt: 2,16 ct/kWh), bei Gewerbe mit 2,10 ct/kWh (Durchschnitt: 1,85 ct/kWh) und bei der Industrie mit 0,63 ct/kWh (Durchschnitt: 0,51 ct/kWh).
Mögliche Ursachen laut Studie
Der Wissenschaftlichen Dienst des Deutschen Bundestags stellt fest, dass netz- und versorgungsstrukturelle sowie regionale Merkmale in die Ermittlung der Netzentgelte einfließen, die konkreten Faktoren im Einzelfall von den Regulierungsbehörden jedoch nicht veröffentlicht werden. Wissenschaftliche Gutachten zu den konkreten Ursachen im Saarland liegen nicht vor. Nach Einschätzung eines Mitarbeiters einer saarländischen Behörde, die im Rahmen der Studie eingeholt wurde, kommen für den Stromverteilnetzbereich mehrere Erklärungsansätze in Betracht: das vergleichsweise hohe Alter der saarländischen Stromnetze, ein industriehistorisch bedingt engmaschiges Netz infolge von Bergbau und Montanindustrie, eine vergleichsweise hohe Zahl von rund 30 stromintensiven Unternehmen sowie historisch gewachsene parallele Netzstrukturen (etwa das Grubenstromnetz neben dem regulären Verteilnetz). Im Gasbereich werden das hohe Alter der teils noch aus der Kokerei- und Stadtgaszeit stammenden Leitungen sowie die zunehmende Nutzung schnellerer, von der Bundesnetzagentur 2024 ermöglichter Abschreibungsmöglichkeiten als mögliche Erklärungsansätze genannt.
Hoffmann weist zudem darauf hin, dass das Saarland mit insgesamt rund 60 Stromnetzbetreibern und 44 Gasnetzbetreibern eine vergleichsweise kleinteilige Netzbetreiberstruktur aufweist. Eine solche Aufteilung könne aus seiner Sicht kostenreduzierende Skaleneffekte erschweren.
Hintergrund:
Die Studie „Netzentgelte im Saarland“ (WD 5 – 3000 – 065/26) wurde von den Wissenschaftlichen Diensten des Deutschen Bundestages im Auftrag von Philip Hoffmann MdB erstellt und am 16. Juni 2026 abgeschlossen.
